Mittwoch, 9. April 2014

V&A-Waterfront - die Amüsiermeile



Noch ein "Muss" für Touristen ist die Victoria&Albert-Waterfront im Hafengebiet von Kapstadt.
Als Handelshafen 1860 durch Prince Alfred, 2.Sohn von Viktoria und Albert, eingeweiht, erlebte das Viertel seit den 80er Jahren des 20.Jahrhunderts einen touristischen Aufschwung.
270 Geschäfte, über 50 Restaurants und „Futterbuden“, 10 Pubs, 7 Hotels, 11 Kinos, 6 Museen, Hunderte von Büroräumen, luxuriöse Wohnungen am Yachthafen nördlich der Victoria Wharf und am New Basin, und immer noch das Flair von einem Hafen machen dieses Areal nordwestlich der eigentlichen Innenstadt zu einer der Hauptattraktionen in Südafrika.Allerdings zum Nachteil anderer Stadtteile Kapstadts: Geschäfte sind abgewandert aus den traditionellen Shopping-Arkaden um die St. George’s Mall, alt eingesessene Restaurants galten nur noch etwas, wenn sie hier an der Waterfront servieren, und auch die Kneipenszene in der City Bowl war Mitte der 1990er Jahre zugunsten der Waterfront regelrecht ausgeblutet.   Die Geschäfte sind ein wenig teurer, viele bieten zudem nur das „Übliche“, was man überall auf der Welt findet, der Livemusik fehlt oft der rechte Kick, und die Restaurants sind gut, aber oft zu durchgestylt. Allerdings ist auch dieses Flair inzwischen auf dem Rückzug hin zu Banalität und Ramsch.
 Trotzdem findet man auch hier - jenseits der Touristenpfade - noch genug Interessantes.


Hier wendet sich der Gast mit Grausen...

Doch hier würd´ er gern länger hausen
edles Gestein zum Aussuchen und Mitnehmen - leider läßt das Fluggepäck nicht allzuviel zu


Der alte Uhrenturm in neuem Gewand - zu übersehen ist er  in dieser Farbe so wohl nicht -auch rot war er schon mal
-
Kunst und Kitsch dicht beieinander und Souvenirs-Souvenirs
alles unter den wachsamen Augen der südafrikanischen Nobelpreisträger und der Tafelberg verhüllt vor Respekt sein Antlitz mit dem Tafeltuch
Ehemalige Werften wurden zur Mall
hier im Weihnachtsschmuck:
 und vom Riesenrad
hat man einen phantastischen Blick über das Hafengelände:

so spiegelt sich das Hafengelände im Fenster des Riesenrads: Tafelberg, Werften, Hotels etc.
und für alle, dies immer noch nicht glauben: wir waren da:
und






















Montag, 17. März 2014

zum Tafelberg (28.11.13)


 Das Wahrzeichen der Stadt und so bekannt wie der Zuckerhut in Rio oder das Matterhorn in Zermatt ist der Tafelberg. Ihn zu besuchen ist ein "Muss". Unzählige Wanderwege führen hinauf, von relativ leichten bis zu riskanten Klettertouren. Ganz bequem geht es heute natürlich mit der hochmodernen Seilbahn








Wenn man nach mehr oder weniger langer Anstehen (Fahrkarten unbedingt voher im Internet besorgen und den  Wetterbericht beachten)  einen Platz in der Seilbahn bekommen  und auch das obligate Erinnerungsfoto vor einer alten Gondel überstanden hat, ist man in wenigen Minuten oben.
 Dort erwarten einen Massen von Touristen, Andenkenläden, Restaurants  

und für den, ders braucht: sogar telefonieren kann man:


Vor allem aber erwarten einen nach nur wenigen Schritten abseits von der Seilbahnstation  atemberaubende Ausblicke.

Kapstadt mit Signal Hill und Stadion
 


Im Vordergrund erhebt sich der Devils Peak über Kapstadt; links der Hafen mit Bucht und  Strand von Milnerton; im Hintergrund erkennt man die Berge von Tygerberg (vorn) und Hottentotsholland. Und über allem der Himmel von Afrika ;-)


Folgt man den ausgeschilderten Spazierwegen auf dem Plateau des Tafelberges sieht man im Südwesten das mondäne Camps Bay:
und Oudekraal:
Weiter im Norden den Lions Head:
Devils Peak (1001m) und Lions Head (669m) rahmen den Tafelberg ein, beide sind weniger bekannt, weil sie nur zu Fuß zu erreichen sind, und der Tafelberg mit seiner Seilbahn ihnen die Show und die Besucher stiehlt. Dabei gibt es besonders über den "Löwenkopf" viele Sagen und Geschichten: seinen Namen soll er von einem fürchterlichen Löwen haben, der dort hauste und zahlreiche Menschen verspeist hatte, bis ein kühner Held ihm den Garaus machte. Vielleicht heißt er aber auch so, weil er von Ferne und besonders vom Meer aus wie ein auf Beute lauernder Löwe aussieht.
Ausser Fernblicken gibt es auch am Wegesrand viel zu bewundern. Seltsame Gesteinsformationen:
Der Tafelberg  besteht überwiegend aus Tafelbergsandstein, der auf einem Grauwacke-Sandstein-Schiefer-Unterbau lagert, dem sogenannten Malmesbury Bed. Diese Lage schieferartigen Gesteins wurde durch enormen Druck gefaltet, während gleichzeitig geschmolzener Granit nach oben gepresst wurde. Die meisten Berge der Gebirgskette der Kaphalbinsel sind auf diese Weise entstanden. Wo diese beide verschiedenen Gesteinsschichten aufeinandertrafen, entlang einer Linie unterhalb des nördlichen Endes des Tafelbergs, fand eine Verschmelzung statt. Dieses Phänomen ist so einzigartig, dass Charles Darwin sich das Naturwunder an einer Stelle, am Sea Point unterhalb des Lion´s Head, ansah.(s.Blog "SeaPoint", Archiv Jan.14) Darüber lagerten sich noch einmal 5 Gesteinslagen ab (bis zu einer Höhe von 1700 m). Die erste Lage aus rotem und braunem Sandstein und Schiefer (Graafwater Formation), die 2. Lage , (650 m) bildet ein Sandstein/Quarzit-Gemisch, bekannt als Tafelberg-Sandstein und eine weitere Lage aus Eiszeit-Überresten bzw. Gletscherschrammen, die man noch heute am Maclear´s Beacon sehen kann. Darüber lagen weitere Schichten von Sandstein und Schiefer, die heute durch Erosion nicht mehr sichtbar sind.
In  Millionen Jahren haben Wind und Wasser  das Gestein ausgewaschen, so dass bizarre Formen entstanden. Spalten und Risse im Sandstein bildeten Sandsteinhöhlen; Hügel und tiefeTäler charakterisieren die Landschaft, Staudämme versorgten ab Ende des 19.Jahrhundert Kapstadt mit dem nötigen Wasser.

Die aussergewöhnliche Entstehungsgeschichte der Tafelbergregion führte auch zu einer grossen Pflanzenvielfalt, Fynbos genannt, die zum Teil endemisch, d.h. nirgendwo sonst auf der Welt zu finden sind.

Protea repens (Zuckerbusch)

Leucospermum oleifolium (Nadelkissen Protea)
Von der ebenfalls artenreichen Tierwelt des Tafelbergs bekamen wir leider nur Krähen und eine Eidechse zu sehen, keine gewöhnliche Eidechse, sondern ein Weibchen einer Felsenagame (Agama atra):

Eine andere Eigenart des Tafelbergs zwang uns zu vorzeitigem Abbrechen unseres Besuchs: das Tafeltuch

Es entsteht durch feuchte Luftmassen, die vom offenen Meer her den Tafelberg als erstes Hindernis überströmen. Die Luftmassen sind dadurch zum Aufsteigen gezwungen, wobei sie abkühlen und Wolken bilden, während sich an den Nord- und Westhängen ein trockenwarmer Fallwind bemerkbar macht. Auf dem Berg kann es dann in Minutenschnelle zu erheblicher Abkühlung und Nebelbildung kommen - eine Gefahr für alle, die auf dem Berg oder dem Weg dorthin sind. Wenn das Nebelhorn ertönt, heißt es: auf schnellstem Weg zur Seilbahn, denn die stellt dann auch bald ihren Betrieb ein.

Last but not least noch einige Eindrücke:


sooo weit ist es nach Hause

und so weit bis zum Gipfel: ein Wegweiser zum "Gipfelkreuz" , denn der Weg kann gefährlich werden:


und hier dieSpitze(nleistung von Roland): der  Maclear´s Beacon, die höchste Stelle des Tafelbergs
"Rauf, ja da kommt er, aber wie kommt er runter?" (Schlagertext aus den 20er Jahren)
Man sagt ja: runter kommt man immer.... und so kann man vom Tafelberg auch wieder runter kommen: Abseiling, Absprung vom Tafelberg, Ankunft und Landung am Sea Point.

Wir landeten aber ganz gemütlich wieder per Seilbahn
Das Tafeltuch (am oberen Bildrand) winkte zum Abschied.




Sonntag, 23. Februar 2014

27.11._Stellenbosch

Stellenbosch, benannt nach Simon van der Stel, wurde 1679 gegründet und ist damit die zweitälteste Stadt Südafrikas.Es ist Universitätsstadt und berühmt für seinen Reichtum an historischer Bausubstanz. Von allen Siedlungen, die am Kap während der Zeit der Holländisch-Ostindischen Handelskompanie gegründet wurden, ist die Innenstadt von Stellenbosch am besten erhalten geblieben. So kann man in diesem idyllisch gelegenen Städtchen hervorragende Zeugnisse kapholländischer, aber auch georgianischer und viktorianischer Architektur sehen.

Ein dunkles Kapitel Südafrikas: die Sklaverei, deren Auswirkungen sich bis heute in der südafrikanischen Gesellschaft und Kultur zeigen.
Die sogenannten "Nagmaalhuise" der Farmer, in denen sie übernachteten , wenn sie zum Kirchenbesuch und Abendmahl in die "Stadt" kamen (hier schliefen vor allem Frauen und Kinder, während die Männer lieber bei ihren Ochsen wachten, damit sie nicht gestohlen wurden - die Sitten waren damals rau...)
Bewässerungssystem für Stellenbosch und Umland - Lieferant für Lösch- und Brauchwasser und Mühlenantrieb.
die älteste Kirche, im kapholländischen Stil
in Kreuzform und mit hölzernem Tonnengewölbe (nach verheerenden Bränden Anfang 18.Jh. wieder-) erbaut.
Wer errät, was Schnapsgläser in der Kirche zu suchen haben, kriegt ´nen Taler:
eine Besonderheit der reformierten Kirche in Südafrika, aus Amerika importiert: jedem seinen eigenen Abendmahlskelch!
hier: silberner Kelch mit Oblatenteller

Das der Kirche angeschlossene ehemalige Mädcheninternat der Rheinischen Mission ist heute Kunstmuseum; das einladende Objekt  ist ganz nachhaltig aus Autoreifen hergestellt.

Diese hübsche Stadtvilla gehörte einst dem Pastor und beherbergt heute ein interessantes Museum für Puppenhäuser, in dem Philip Kleinhans, unverkennbar malaiisch-deutschen Geblüts, mit viel Enthusiasmus die Schätze zeigt::




Nach soviel Kunst im Miniaturformat kam auch noch die "große" Kunst zu ihrem Recht: Im Rupert.Museum ist die private Sammlung von Kunstschätzen zu sehen, die zwischen 1940 und 1970 von Huberte und Anton Rupert gesammelt wurden. Neben Werken von  bekannten und unbekannten Künstlern ist hier vor allem die Sammlung der Werke von  JH Pierneef sehenswert - dem wohl bedeutendsten südafrikanischen Maler, der u.a. die Bahnhofshalle in Johannesburg ausgemalt hat.
der Tafelberg einmal ganz anders gesehen.